Ein Wagnis ohne Gebrauchsanleitung
Beziehung – relationship: Dynamik und Zustand
Ziehen und Zustand
Das deutsche Wort Beziehung beinhaltet eine Aktion und Bewegung. Eine Dynamik, die sich durch Spannung und Entspannung definiert – Ziehen.
Im Englischen – relationship – beschreibt eher einen Zustand. Eine von außen betrachtete Definition eines Phänomens.
Das Spiel zwischen Spannung und Entspannung
Das Zusammentreffen von Menschen und deren Aktionen und Reaktionen sind auf Grund ihrer Art, sich zu bewegen, zu sprechen, zu verhalten, einzigartig in der jeweiligen Kombination.
Gut zu beobachten sind diese Verhandlungen im Tanz oder auch in der Weise, gemeinsam Dinge zu gestalten. Die Dynamik, das Innehalten, Abwarten, das Impulse-Geben, Widerstände zu setzen, nachzugeben, zu integrieren, vom anderen zu übernehmen und zu verwandeln, beschreibt das Spiel zwischen Spannung und Entspannung.
Ein Wagnis ohne Gebrauchsanleitung
Von außen betrachtet kann man sehen, in welcher Relation die Protagonisten zueinander stehen. Mit welcher Intensität, welcher Zuneigung, welchem Impetus, welcher Haltung, mit wie viel Offenbarung die agierenden Personen die gemeinsame Situation gestalten.
Da es als Protagonist, auf Grund der vielen Reize, Vorannahmen und Emotionen, keine Möglichkeit gibt, eine Metaebene einzunehmen, sind Beziehungen – relationships – ein Wagnis ohne Gebrauchsanleitung.
So viele Menschen es gibt, so viele Zeichen und Codierungen von Signalen und Interpretationen gibt es. Unmöglich, alle Varianten zu dekodieren und daraus eine sichere Entscheidung treffen zu können. Die gute Nachricht! Unser Körper spürt und reagiert auf feine Nuancen, Details, die unserem Bewusstsein verborgen bleiben. Zunächst!
Innehalten
Um Beziehung und relationship kombinieren zu können, ist das Wahrnehmen der eigenen Körpersignale essentiell. Wie nehme ich meinen Körper, mich in dieser Situation, wahr, kann ich das benennen und was und wie möchte ich in diesem Moment entscheiden? Das ist keine Absage an mein Gegenüber, sondern ein Innehalten, um zu realisieren, in welcher Relation und in welcher Dynamik die Begegnung vom jeweiligen Part wahrgenommen wird.
Das Überspringen der eigenen Wahrnehmung in Bezug auf körperliche Signale nimmt die Chance, Optionen jenseits der Bezugsperson zu ermöglichen.
Emotionen als Filter
Der Wunsch, eine übergeordnete Sicht jenseits von Emotionen zu haben, ist sehr verständlich. Emotionen verführen uns, die Situation durch einen Filter zu sehen, der sowohl das Abwägen als auch das Differenzieren erschwert.
Nun könnte man daraus folgern, dass Emotionen Beziehungen torpedieren und alleine die Vernunft und die Ratio eine glaubwürdige Verbindung zulassen können.
Damit könnte eine stabile und im Sinne der Statik tragfähige Relation entstehen.
Motor und Plateau
Hier liegt der Spannungsbogen zwischen den beiden Begriffen Beziehung und relationship. Um wachsen zu können, um sich und den Partner/die Partnerin in Frage zu stellen, um gemeinsame und eigene Wege, Bedürfnisse, Wünsche, Träume zuzulassen, ist Dynamik notwendig. Der Motor, der Antrieb für die Bewegung im Individuum und in der Auseinandersetzung mit der Bezugsperson, sind die Emotionen. Zuweilen ist es allerdings auch gut, auf dem Plateau – der relationship – zu verweilen, um die Übersicht nicht zu verlieren. Eine Momentaufnahme.
In der systemischen Paartherapie ist genau dieses Pendeln zwischen Bewegung und Momentaufnahme oft der Ausgangspunkt – wenn Sie darüber sprechen möchten, erreichen Sie mich über die Kontaktseite.